Jeder am Seekajakfahren Interessierte kennt vermutlich das Zitat von Fridtjof Nansen: „Das Kajak [er meint hier das grönländische Kajak] ist wohl das beste Einmannseefahrzeug der Welt…“
Es würde den Rahmen dieser Seite sprengen, hier eine korrekte wissenschaftliche Untersuchung über die geschichtliche Entwicklung, die regionalen Unterschiede und den historischen Gebrauch des Kajaks einzustellen.
Für Interessierte gibt es dazu einige gute Untersuchungen – die meisten jedoch in englischer Sprache sind.
Hakolas Kajak als Faltkajak ausgeführt von Lorenz Mayr. Der Kajak wurde 1989 von Hakola Dippel unter Mithilfe von Rudi Cooymans in traditioneller weise als Zuckersackboot erbaut. 1994 haben Roland Bepler und Hakola Dippel diesen Kajak vermessen. Daraus entstand dieser Riss.
Entlang der Küsten der Aleuten, in der Beringsee, in Nordalaska, Nordkanada, der Hudson Bay und auf Grönland wurden in den vergangen 2.000 Jahren rundum eingedeckte, meist einsitzige (nur in den Aleuten gab es Zweier und nach Ankunft der Russen im 17. Jahrhundert auch dreisitzige Baidarkas) den regionalen Gewässerbedingungen und der Art der Jagd angepasste Paddelboote entwickelt.
Mit der Eroberung /Erforschung dieser Regionen durch Europäer und Amerikaner kamen immer wieder Kajaks als Beutestücke oder Geschenke in die USA, nach Kanada und Europa. Die portugiesischen und holländischen Walfänger im 17. Jh. waren die ersten „Weißen“, die Kontakt mit den Inuit hatten, nachdem die Besiedlung Grönlands durch die Wikinger – und allgemein der Schiffsverkehr in den nördlichen Breiten im 15. Jahrhundert aufgegeben werden musste („kleine Eiszeit“).
In den 20er – und 30er – Jahren des 20. Jahrhunderts kamen einige Europäer ( Namen wie Herbert Slanar, Edi Pawlata, Arndt von Rautenfeld, Otto Hartl, Franz von Alber haben viele schon gehört) auf die Idee, „Eskimokajaks“ (in Europa in den allermeisten Fällen Kajaks aus Grönland) für den sich entwickelnden Kajaksport nachzubauen. In Museen gab es hier und dort Kajaks, bei zwei Filmproduktionen („SOS Eisberg“ und „Palos Brautfahrt“) wurden „Originale“ verwendet, kamen anschließend nach Deutschland, wurden vermessen und als Faltkajaks nachgebaut. Mit diesen Kajaks wurden zunächst schwere und schwerste Wildwassertouren gemacht, weil sie erheblich steifer waren als die damals handelsüblichen Faltboote. Später wurden sie den Gewässerbedingungen (Wildfluss) und der Benutzungsart (Wanderfahrt) angepasst. Das „Möllkajak“ von Franz v. Alber - später wurde daraus u.a. der „Habel“ entwickelt“ – ist ein ganz typisches Beispiel dafür.
Andere „Replikas“ wurden in ihrer traditionellen Form - zum Teil leicht modifiziert, um einem Durchschnittseuropäer das Einsteigen zu ermöglichen – für kurze und längere Seekajaktouren verwendet. In Deutschland in den meisten Fällen als Faltkajak.
In Großbritannien wurden Grönlandkajaks ebenfalls seit Beginn der 30er Jahre nachgebaut/verwendet, aber hier meistens als „SOF“ (skin - on - frame[*1]). Aus diesen Booten entstand dann z.B. der „Anas acuta“ von Valley.
Der traditionelle Kajakbau schlief mit Beginn des GFK - Zeitalters Anfang der 60er Jahre ein und wurde erst ab ca. 1985 von Svend Ulstrup (DK) und Rudi Cooymans (D) wiederbelebt.
Seit dieser Zeit gibt es eine noch kleine aber wachsende Zahl begeisterter Kajakbauer, die die Tradition der Grönländer, Kanadier und Aleuten weitergeben. Sie gehen in Museen, studieren die Bauprinzipien, versuchen die Fahreigenschaften zu ergründen, bauen Originale nach und entwickeln neue Ideen.
Impressum:
Text: Hakola Dippel
Überarbeitet: Jan Teich/ Andreas Dippel / Christiane Merten
Bilder: Lorenz Mayr/ Harvey Golden/ Wolfgang Losch/
Michael Glemnitz
[*1] Kajaks die aus einem flexiblen Holzgerüst mit einer Haut aus wasserdichtem Gewebe bestehen.



