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Kajakmänner

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Aus dem Buch “Kajakmänner”

Erzählungen grönländischer Seehundsfänger, übersetzt aus der grönländischen Zeitung "Atuagagdliutit"

Herausgegeben von Signe Rink - Verlag Georg Westermann 1920

Aus vergangenen Wintern und Sommern.

von Morten Egede.

Nun bin ich seit 20 Jahren in Narsak zu Hause, südlich von meinem Geburtsort Godthaab. Mein Vater war Jäger und gewiß ein ausgezeichneter, nach dem, was die Leute sagen. Ich weiß nämlich selbst nicht Bescheid darüber, da wir jüngeren Geschwister von Vaters zweiter Frau erst auf seine älteren Tage zur Welt kamen; es ist aber ja gut möglich, daß er sich früher gut auf den Fang verstand. - Damals, als er starb, war ich 12 Jahre alt und besaß noch keinen Kajak; doch während ich noch in die Schule ging, verschaffte der Vorsteher mir einen. Als ich im Winter 1869 konfirmiert worden war, schickten sie mich im darauffolgenden Sommer nach Narsak, wogegen nichts einzuwenden war, da es ja in der guten Meinung geschah, mich für den Seehundfang tauglich zu machen. Dennoch ging es mir sehr nahe,- daß ich von meinem Geburtsort und von meinem lieben Bruder, dem Koloniearbeiter Ludwig Egede fort sollte, der Vaterstelle an mir vertrat und liebevoll wie eine Mutter gegen mich gewesen war, obgleich wir nur Stiefbrüder waren. In meinem damaligen Alter erregte mich alles heftig und wenn es jetzt, nicht anders mit mir geworden wäre, müßten meine jetzt viel ernsteren Kümmernüsse, mich wenigstens auf das Krankenlager geworfen haben.
Zu Anfang meines Aufenthalts in Narsak starb mein Bruder Ludwig, er bei dem es so gemütlich während meiner Besuche in Godthaab einzukehren gewesen war.
In Narsak, wo wir viele Verwandte hatten, waren wir gastfrei aufgenommen worden und sind dort auch noch heutigentags wohl angesehen; doch hierüber näher mich auszusprechen, würde allzu weitläufig werden.
Wie gesagt, kam ich hierher, um den Seehundfang zu erlernen, was ich mir immer vor Augen zu halten suchte. Ich gab mir alle erdenkliche Mühe und wurde auch bald ein recht guter Kajakmann; aber mein höchstes Streben war der Fang. Mein Sinn war so darauf gerichtet, daß ich zuletzt geradezu gierig danach wurde; doch muß ich gleich sagen, dass ich es niemals erreichte, als einer der besten zu fangen. Diese Fangjahre der Jugendzeit waren grenzenlos glücklich. Doch da trat etwas ein, wovon, ich nie das geringste gemerkt hatte und was außerordentlich traurig war; ich wurde nämlich plötzlich von dem leidigen Kajakschwindel befallen. Daß dies sich auch mir in den Weg legen mußte, meine weiteren Fortschritte und meine Ausbildung zu verhindern!
Obgleich die, Sache ja von keiner weiteren Bedeutung als für mich selbst ist, will ich hier doch erzählen . wie der Schwindel mich zum ersten Male befiel.
Eines Tages, in der hellsten Sommerzeit lag ich wie gewöhnlich bei Ikerasak auf dem Fang und wollte gerade von dort aufbrechen, um den Platz zu wechseln, weshalb ich außen um Kitorkat ging - als ich mit einem Male so schwindelig wurde, daß ich jeden Augenblick dachte, es werde mit Kentern enden. Die Luft war klar mit einer anhaltenden, frischen, nördlichen Brise. Nachdem ich mich einen Augenblick bedacht hatte, ruderte ich aus allen Kräften vorwärts und erreichte ganz, verwirrt das nächste Land, nämlich Akiliak.
Hier zog, ich gleich den Kajak ans Land und stieg dann auf den Berg, in der Hoffnung, von dem einen oder andern in nördlicher Richtung fahrenden Kajak entdeckt zu werden, obgleich es schon über die Tageszeit hinaus war, wo man mit Wahrscheinlichkeit erwarten konnte, noch jemand draußen zu finden. Aber, schließlich kam doch einer in Sicht, und ich beeilte mich, vom Berg hinab zu meinem Kajak zu laufen, um meine Hagelflinte, abschießen zu können, Ich schoß auch mehrere Male, und rief zwischendurch mit der der ganzen Kraft meiner Stimme dem sich Entfernenden nach; doch meine Stimme muß wahrscheinlich durch die Gemütsbewegung bedeckt gewesen sein; denn ich wurde nicht gehört, und da, lief ich wieder zum Aussichtspunkt hinauf. Es war mittlerweile spät am Abend geworden, was in einer Hinsicht ganz gleichgültig sein konnte, da es wie gesagt Mittsommer war Aber ich konnte es nicht, lassen, an meine Mutter und meine Geschwister zu denken die nun vermutlich in größter Angst und Unruhe, um ihren Versorger waren, und dies bestimmte micht trotz, all meiner Furcht doch einen Versuch zu wagen über den Sund zu setzen. Doch der bloße Gedanke an den Schwindel machte mich auf der Stelle taumelig; aber dann dachte ich wieder: "Ist dein Todestag da, dann stirbst du - wenn nicht, so wird der, der dir hierher geholfen, dir auch zur andern Küste hinüber helfen," worauf ich wieder in den Kajak stieg, indem ich beständig überlegte, was ich, tun könnte, um glücklich hinüberzukommen. Da bekam ich plötz-lich den Einfall, mein Halstuch vor die Augen zu binden, so daß ich das Wasser nicht zu sehen brauchte. Auf diese Art ruderte ich ein, gutes Stück Wegs, so gut 'wie im Dunkeln und wenn ich ab und zu genötigt war, die Richtung nach dem Lande festzustellen; guckte ich so vorsichtig als möglich über den Rand der Binde, indem ich wohl achtgab, auch nicht das geringste von der Meeresoberfläche zu sehen. Dies war aber bei dem Schaukeln des Kajaks nicht leicht und er schaukelte nicht wenig. Ich steuerte direkt, nach Hause, da es mir nur darum zu tun war das nächste Land zu erreichen; denn dann würde ich schon längs des Strandes nach Hause kommen können. Dies glückte mir denn auch; doch ich habe seit der Zeit niemals allein im Kajak fahren können, sondern musste immer jemand immer jemand zur Begleitung mit haben
Ergänzung: Hier spiegelt sich wieder was sich auch in der Praxis inzwischen bestätigt hat: Man sollte sdich nicht allein hinaus begeben, besonders dann nicht, wen man sich nicht gesund fühlt, oder aus anderen Punkten heraus nicht sicher ist.
W. Half

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