RST und Schnupperfahrt Schleimünde
Das Aufbauen der Zelte gestaltet sich bei dem Wind schwierig. Aber die Heckenrosen bieten etwas Windschutz.
Die Seenotretter fahren mit ihrem kleinen Boot auf die Ostsee hinaus. Es scheint aber nichts vorgefallen zu sein, denn sie kommen kurze Zeit später zurück.
Die Giftbude. Bei diesem Wetter unsere Rettung am Abend. Hier gibt es leckeres Essen und was zu trinken.
Auf einem Abschnitt ist das Wasser der Schlei so flach, dass wir in der Nähe des Fahrwassers fahren müssen. Man bestaunt sich gegenseitig.
Stürmisches RST bei Schleimünde
Starker Wind
Wochenlang hatten wir uns auf das Regionale Sicherheitstraining mit Thomas Driller an der Schleimündung gefreut. Auf einen völlig einsamen Zeltplatz an der Ostsee sollte es gehen, direkt unter dem Leuchtturm! Absolut romantisch! Und jetzt das! Der Deutsche Wetterdienst sagt für das Wochenende 11. bis 13. Juni bis zu sechs und sieben Windstärken voraus. Einige Teilnehmer haben schon abgesagt. Sollen wir unter diesen Umständen die 600 km Anreise wagen? Mit gemischten Gefühlen machen wir uns auf den Weg nach Sieseby von wo aus die 17 km Reise zur Schleimündung starten soll.
Sonniger Start
Zu unserer Überraschung zeigt sich am Freitag das Wetter vor Ort erst einmal von seiner sonnigen und ganz ruhigen Seite. Der Wetterbericht scheint Thomas nicht zu beeindrucken und unsere sehr gemischten Vorkenntnisse auch nicht. „Schaun’ wir mal, wie wir das Wochenende so angenehm und nützlich wie möglich machen können“, scheint seine Devise zu sein.
Für die Reise zum Leuchtturm an der Mündung steht so viel Zeit zur Verfügung, dass wir in jedem beliebigen Tempo fahren und Pausen eingelegt werden können, wie es für den Schwächsten in der Gruppe am besten passt. Zeit für einen Landgang in Maasholm mit Besuch der tollsten Fischbrötchenbude in der Gegend ist auch noch drin.
Unterwegs erzählt uns Thomas viele interessante Details zur Geschichte und zur Tierwelt der Landschaft und hat damit überhaupt keine Probleme, die Gruppe dicht beieinander zu halten, denn wir paddeln ja nicht, um das Tempo zu halten oder um unser eigenes Ding durchzuziehen, sondern wollen gern ich Hörweite bleiben, damit wir seine kleinen Geschichten auch alle mitbekommen.
Zwei Pausen sind es bei den 17 km Strecke schließlich geworden. Viele meiner Freunde würden über eine solche Trödeltour die Augen verdrehen. Aber es darf ja ruhig auch mal unterhaltsam sein und entspannt zugehen auf dem Weg zu einem RST. Oder etwa nicht?
Traumhafter Zeltplatz
Der Zeltplatz hielt, was er versprach. Wild und einsam. Direkt nebenan ein riesiges Naturschutzreservat. Bei immer weiter auffrischendem Wind waren wir dankbar für ein meterhohes Rosengebüsch, in dessen Windschatten wir mit etwas Mühe und Geschiebe alle unsere Zelte halbwegs geschützt unterbringen konnten. Ich war beeindruckt, mit welcher Gelassenheit Thomas unsere Konkurrenz um die besten Plätze löste und sogar noch ein genial improvisiertes Tarp daneben stellte.
„Erst mal sehen“
Da saßen wir nun unter den knatternden Planen, Thomas mit seiner äußerst gemischten Restgruppe und versuchten unsere Nervosität wegen der angesagten 7 Windstärken zu beruhigen. Mehrere waren wegen der Vorhersage schon gar nicht erst angereist. Zwei nahmen zum ersten Mal an einem RST teil, eine zum zweiten Mal und zwei waren relativ frische A-Scheiner. Aber diese Windstärke schüchterte uns alle ein.
„Alles halb so schlimm“, wurden wir beruhigt, „erst mal sehen, ob es wirklich so schlimm kommt. Niemand zwingt uns, das RST durchzuführen, und jeder entscheidet für sich, ob er ins Boot steigt und wie lang er drin sitzen bleiben will.“ Außerdem teilen wir unsere Inseleinsamkeit mit einem kleinen, feinen Seglerrestaurant – der „Giftbude“, das wir jetzt erst einmal in Gaumenschein nehmen sollten. Mit nichts lassen sich furchtsame Gedanken an den kommenden Tag besser vertreiben als mit einem guten Mahl und ein paar gut gezapften Bieren.
Wir lernen über die Lighthouse Foundation, die dieses schöne Fleckchen Erde vor den Tourismus-Spekulanten gerettet, den Leuchtturm, das Wärterhaus und einen winzigen Seglerhafen erneuert und die sogar uns Paddler mit einer kleinen Wiesenfläche und die Vogelkundler mit einer kleinen Beobachtungsstation versorgt hat. Thomas ist ein guter Erzähler und als uns auf dem Weg zurück zu den Zelten der Wind durch die Knochen pfeift, denken wir nur noch an den schönen warmen Schlafsack und nicht mehr an die hohen Wellen, die uns morgen erwarten.
Verschärfte Bedingungen
Am Samstagmorgen: Windstille. Natürlich hat sich der Wetterdienst mal wieder verzockt, denken wir und bereiten uns erwartungsvoll auf den ersten Teil des RST vor: Paddeltechnik. Als wir schließlich auf dem Wasser sind braust es schon wieder aus West. Wir suchen auf der Ostsee-Seite eine geschützte Bucht, treiben bei den Übungen aber auch schon immer wieder ab. Mir gefällt es aber auch, die Grundschläge mal bei stärkeren Böen zu probieren... zum Beispiel Stützen auf der „guten“ und der „bösen“ Seite – wenn mir also beim Stützen links plötzlich eine Bö rechts unter das Paddelblatt stubst.
Sicherheit geht vor
Obwohl wir auch an der Ostseeseite Schleimündes an Land gehen können, paddeln wir durch die enge Schleimündung in den Hafen zurück und schaffen es nur mit Mühe. Es wird klar: den nassen Teil des Sicherheitstraining werden wir bei diesem Wind nicht mehr machen können. Das ist für uns eine unerwartete Sicherheitslektion: Aus Sicherheitsgründen muss der Sicherheitskurs abgebrochen werden.
Nun machen wir uns Sorgen, ob wir bei diesem Wetter den Rückweg überhaupt schaffen. Aber da kommt als rettender Engel Andreas Mann zur Hilfe. Die beiden sind ganz in der Nähe zuhause und er ist bereit uns abzuholen, wo immer wir die Fahrt abbrechen sollten. Und eins ist für uns sicher: bis zum nächsten Hafen mit Straßenanbindung wollen wir es versuchen.
Unsichere Rückfahrt
Sonntags morgens wieder windstill… Und bis wir auf dem Wasser sind, wieder ein fetziger Wind von vorn. Wir quälen uns Meter für Meter Richtung rettendem Hafen. Aber aussteigen wollen wir dort noch nicht. Ein bisschen geht noch, denken wir alle. Und es sind tatsächlich alle, die gern noch ein paar Kilometerchen weiter wollen. Jetzt haben wir ja Windschutz unter Land. Und beim nächsten Hafen geht immer noch ein bisschen. Und was soll ich sagen, als wir die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht haben, und als der Wind immer wieder noch ein bisschen weiter nachgelassen hat, war uns allen klar, dass wir doch die ganze Strecke zurück bis Sieseby schaffen können. Hätte uns Thomas nicht die volle Entscheidungsfreiheit für jede einzelne Etappe gelassen, dann glaube ich hätten sich im ersten Hafen schon die ersten von der Gruppe verabschiedet.
Ein gutes Ende
Natürlich waren wir bei unserer Ankunft sehr erschöpft. Aber eine gute Fahrt ist erst zu Ende, wenn man zum legendären Erdbeerkuchenessen auf einer Siesebyer Sonnenterasse zusammen gesessen hat. Erdbeeren gab es zwar nicht, aber es war trotzdem einfach schön, noch eine Weile zusammen zu sitzen, und dabei konnte es auch nicht ausbleiben, dass wir schon davon träumten, uns im nächsten Jahr genau wieder beim selben RST wieder zu sehen. Es hatte einfach alles gestimmt.
Berichterstatter: Hans. Weitere Teilnehmer: Andrea, Birgit, Hannelore und Mark.

