Unser Revier
Revierbeschreibung

Das Seekajak ist ein speziell für das Befahren der Küstengewässer konstruiertes, unsinkbares, mit Muskelkraft betriebenes Boot. Wegen seiner Kleinheit ermöglicht es ein besonders intensives Erleben des Meeres und seiner Küstenräume. Eine Fahrt auf den Küstengewässern setzt wegen der damit verbundenen Gefahren eine sichere Beherrschung des Bootes und besondere Kenntnisse voraus (siehe Ausbildung). Der geringe Tiefgang erlaubt es, auch dort zu fahren, wo sonst kein Boot hinkommt.

Da die deutschen Küstenräume wegen ihres Nahrungsreichtums wie überall auf der Erde bevorzugter Lebensraum für besonders viele Arten von Lebewesen sind (Pflanzen, Tiere, Menschen), erfordert das Kajakfahren in diesen Räumen neben einer guten Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten und entsprechender Ausrüstung, Erfahrung und Kondition eine - wie bei allen Natursportarten - besondere Sensibilität, um Störungen der natürlichen Lebensvorgänge zu vermeiden.

Die Nordsee und die Ostsee sind zwei völlig unterschiedliche Meere. Dementsprechend haben wir zwei völlig unterschiedliche Paddelreviere, von denen zuerst das an der Nordsee- und danach das an der Ostseeküste hier kurz dargestellt werden soll.

 

Die Nordsee

Die Nordsee ist ein flaches Randmeer des Atlantischen Ozeans. Mit Ausnahme der Buntsandsteininsel Helgoland (ca. 40 km vor der Küste) bestehen die Küsten im Bereich der Deutschen Bucht nur aus Sand und Schlick und sind sehr flach. Entscheidend sind hier die Gezeiten (Ebbe und Flut) mit einem Tidenhub (vertikaler Abstand zwischen Hochwasser und Niedrigwasser) von 2 – 4 m, so dass ein bis zu 30 km breiter Küstensaum (das Wattenmeer) regelmäßig trocken fällt und wieder überflutet wird. Der aktuelle Wasserstand wird außerdem stark vom Wind beeinflusst.

Das Wattenmeer erstreckt sich zwischen Den Helder (Niederlande) im Westen und Esbjerg (Dänemark) im Norden über rund 500 km (davon in Deutschland ca.300 km).

Die Außenkante des Wattenmeeres (vor allem W der Wesermündung) ist durch langgestreckte Düneninseln und z.T. Hochwasser freie Sandbänke (Platen) gekennzeichnet.

In Nordfriesland (W-Küste Schleswig-Holstein) gibt es darüber hinaus zwischen den Düneninseln bzw. Sandbänken und dem Festland Halligen (uneingedeicht) und Inseln (eingedeicht).

Die bei Flut einströmenden und bei Ebbe wieder ausströmenden Wassermassen haben mit ihren starken Strömungen (Tidestrom 2 – 4 kn = 3,7 – 7,4 km/h) zwischen den Inseln bzw. Halligen und der Festlandküste tiefe Rinnen (Seegat bis zu 40m) und verzweigte Priele gegraben. Das ist der Bereich mit meist festem Sandwatt.

Ein z.T. grundloses Schlickwatt finden wir im Schutz der Inseln und an der Festlandküste (vor allem in den kleinen Häfen). Hier kommt der Tidestrom zum Stillstand und es lagern sich feinste Schwebstoffe ab.

Das Wattenmeer verändert sich ständig durch solche Erosions- und Sedimentationsvorgänge (z.B. Verlagerung von Fahrwassern!). Die gesamte Festlandküste und Teile der Inseln und Halligen sind von diesen natürlichen Veränderungen jedoch ausgenommen (Deiche bzw. andere Befestigungen).

Das gesamte Wattenmeer einschließlich der Flachwasserzonen und der Küstensäume ist ein einzigartiger, fruchtbarer Raum für Fische, Meeressäuger und Vögel (unbedingt notwendiger Rast- und Futterplatz für Zugvögel!). Seit 1985 sind deshalb ökologisch wichtige Teile zum Nationalpark (NP Nds, NP HH, NP S-H) erklärt worden. Es gibt unterschiedliche Schutzzonen (s. Seekarten) und eine Befahrensregelung (Einschränkungen beim Fahren außerhalb von Fahrwassern).

Das Befahren des Wattenmeeres ist schon von Natur aus nicht jederzeit (ungünstige Witterung, Tidestrom, Wasserstand) und nicht überall möglich (Ein- und Aussetzen an der Festlandküste - fast - nur in den Häfen möglich, örtliche Anlandeschwierigkeiten durch Schlick). Dazu kommen die Schutzzonen der NP.

Fahrten sollten nur in einer Gruppe und unter fachkundiger Leitung unternommen werden (s. Seekajakhandbuch der Salzwasser Union e.V.).

 

Die Ostsee

Die Ostsee ist ein flaches Binnenmeer mit nur drei schmalen Verbindungen zur Nordsee, das wiederum ein Randmeer des Nordatlantiks ist. Dadurch unterscheidet sich die Ostsee prinzipiell in zwei wesentlichen Merkmalen von der Nordsee:  im  geringeren Salzgehalt (Salinität) und im Fehlen von Gezeiten und Gezeitenströmen.

Die nach Raum und Zeit unterschiedliche Salinität bestimmt das gesamte Leben in und an der Ostsee. Der Salzgehalt ist viel geringer als in der Nordsee (dort 3,5%). Er verringert sich außerdem von  etwa 1,7% in der Beltsee (Nordseenähe im Westen) durch Süßwasserzuflüsse bis auf etwa 0,3% im Finnischen Meerbusen (ganz im Osten) und der  Bottenwiek (ganz im Norden).                                  

Bei länger andauernden starken Winden aus einer Richtung gibt es außerdem auch in der Ostsee Wasserstandsschwankungen und damit Meeresströmungen. Einige Stellen können dadurch gelegentlich trocken fallen, sodass ein Windwatt, wie z.B. SW von Hiddensee, entsteht.  Ebenso fließt während dieser Starkwindereignisse oft frisches Bodenwasser, d.h. kaltes und salzreiches Wasser aus dem Atlantik/Nordsee, durch die Rinnen und Belte über die Schwellen (z.B. Darßer Schwelle) in die einzelnen Becken der Ostsee.

Die deutsche Ostseeküste erstreckt sich von der Flensburger Förde (Schleswig-Holstein = S-H) im NW bis zur Insel Usedom (Mecklenburg-Vorpommern = M-V) im Osten über rund 500km (beim vollständigen Ausmessen der Buchten ein Vielfaches davon).

Charakteristisch für die Ostseeküsten ist ein mehr oder weniger breiter Sandstrand, durchsetzt mit mehr oder weniger großen, abgerundeten Steinen und begrenzt mit einer (niedrigen) Abbruchkante oder einer hohen Steilküste. Daneben gibt es reine Sandküsten, begrenzt von niedrigen Dünen.

In S-H gibt es weit ins Land hinein reichende Buchten (Förden). Im östlichen M-V trennt eine langgestreckte Halbinsel (Darß, Zingst) eine mehrfach gegliederte, sehr flache Bucht (Bodden) von der Ostsee. Die Küsten der Bodden sind häufig mit einer dichten Schilfzone bewachsen.

Die vielgestaltige Insel Rügen mit schmalen Halbinseln, weiten Sandbuchten und Kreideklippen ragt weit in die Ostsee hinein.

In und an den zahlreichen Wind geschützten Buchten und Bodden rasten, fressen und nisten große Mengen an Seevögeln. Vor allem ihretwegen wurden Nationalparke mit Befahrensregelungen geschaffen (NP Vorpommersche Boddenlandschaft, NP Jasmund), außerdem gibt es ein Biosphärenreservat (Südost-Rügen) und freiwillige Vereinbarungen (Wismarer Bucht, Südost-Rügen).

Das Befahren der Ostseeküste ist zeitlich weit weniger eingeschränkt als im Wattenmeer, weil es (fast) keine Gezeiten und damit keine Gezeitenströme gibt und das Ein- und Aussetzen sowie das Anlanden jederzeit möglich ist. Hier wie dort ergeben sich aus Naturschutzgründen (z.B. NP, Buchten mit Vogelansammlungen, Schilfgürtel) gewisse Einschränkungen.

Januar 2010 Jan Teich + Peter Thierer