März 2007
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Rund Møn - oder wo liegt Kap Arkona?
Text von Olaf Hagelstein
Bilder von Barbara Fink, Olaf Hagelstein, Matthias Panknin

Inzwischen sind vier Monate ins Land gegangen. Ein Sturmtief folgte dem anderen, und ich habe endlich mal Lust den versprochenen Reisebericht zu beenden. Vergleiche ich Møn mit Rügen, dann schlägt mein Herz schon lange für die dänische Inselwelt und damit auch für Møn. Die Anreise mit der Fähre über Puttgarden nach Rødbyhavn ist zwar teuer, dafür gibt es aber keine Zwänge so wie vor Rügen, wo die Klippen nur mit weitem Abstand umfahren werden dürfen. Eine Auflage des Naturschutzes und anderer Interessensgruppen, nicht vorhandenen Seevögeln den Anblick Paddel schwingender Seekajaker zu ersparen. Belohnt wird man auf Møn mit bis zu 128 m hohen Kreidefelsen und der Tourismus hält sich in Grenzen. Kurzurlauber können Møn an einem verlängerten Wochenende umrunden. Rügen kann man in so kurzer Zeit allenfalls streifen, wie wir es im Juni von Anklam nach Stralsund mal wieder gemacht hatten. Immer in der Angst aus den ?Nationalparks? - sie haben viele Namen - von Landjunkern der Neuzeit vertrieben zu werden. Während dieser Fahrt reifte in mir der Gedanke, mit Sportsfreunden mal die Gegend um Møn zu erkunden. Ich war mal im Winter mit meinem Sohn auf Møn gewesen - als man noch für 5 DM, später sogar kostenlos mit der Fähre übersetzen konnte. Zuerst stolperten wir über die Steine, die unterhalb der Klippen lagen. Dann fanden wir es beeindruckender und auch bequemer, in Abstand zu den Klippen, übers Eis der noch zugefrorene Ostsee zu laufen. Wie sich herausstellte, nicht ganz ungefährlich. Wir hatten einen beständigen Nordostwind um 3 Bft. und die einige Km lange Eisscholle begann sich durch den Winddruck vom Ufer zu lösen und wir hasteten damals doch mehr als nur verschreckt wieder zum Ausgangspunkt zurück. Hier hatte das Eis noch festen Kontakt zum Ufer. Nun ja, auch das war ein Anreiz sich die Kreidefelsen mal vom Kajak aus anzusehen.
Angedacht war ein sonniges Wochenende mit wenig Wind, nicht leicht zu realisieren, denn die Seekajakwoche stand vor der Tür und etliche Termine mussten verschoben werden.
Kurz vor 8 Uhr wollten wir am Freitag alles im Bus verpackt haben, aber die Lust auf Møn verlieh allen Flügel und schon kurz nach 7 Uhr wurde eifrig umgeladen.
Schnell ist alles verstaut und wir unterwegs in Richtung Puttgarden. Unterwegs noch ein Halt beim Bäcker und Brötchen eingesackt - gefrühstückt hatte von uns noch keiner. Ohne Wartezeit geht es dann weiter mit der Fähre hinüber nach Rødby. Viel zu kurz für ein opulentes Frühstück mit Panoramablick und anderen Eindrücken.
Der Wetterbericht hatte am Freitag für Møn noch 7 und in den Böen bis 8 Bft. aus nordwestlicher Richtung vorhergesagt. Aus Kostengründen möchte ich von Falster aus mit dem Kajak hinüber nach Møn. Allerdings wäre dann bei 7 Bft. Seitenwind der Grønsund zu queren. Alternativ bietet sich nach einer weiteren halben Stunde Fahrt mit dem Bus der Fischereihafen Hårbølle auf Møn an, der über Farø und Bogø zu erreichen ist.
Schon auf der Brücke nach Farø sammeln wir erste Eindrücke. Es windet- sollten das schon die angekündigten 7 bis 8 Bft. sein? Jedenfalls rollen Wellen, deren Höhe man nicht erkennen kann, ziemlich schnell durch den Sund. Bevor man bei der Kirche in Fanefjord zum Hafen abbiegt, sollte man noch einen Blick auf Grønsalen, einem Langsteingrab aus der jüngeren Steinzeit werfen. Es besteht aus 145 senkrechten Langsteinen und ist das größte Grab auf Møn. Wer besser informiert sein will, sollte vor der Tour in Stege das Touristbüro ( hinter der Brücke, auf der rechten Seite ) aufsuchen. Leider haben wir erst hinterher etwas darüber gelesen und sind einfach an der Kirche vorbei, in Richtung Hafen weiter gefahren. Prospekte über Møns Klippen, Kunst, Kultur, Geschichte, einem sehenswerten Urwald bei Ulvshale und vieles mehr liegen im Touristbüro mehrsprachig aus und können überwiegend kostenlos mitgenommen werden.
Hårbølle ist in typischer dänischer Kleinhafen mit freundlichen Fischern, die uns erlauben, den Bus auf ihrem Gelände abzustellen.
Nach kurzer Zeit gleicht der Platz vor dem Bus einem Warenumschlaglager. Trotz meiner Neigung zur Bequemlichkeit, bekomme ich alles verpackt. Nur zwei überflüssige Packsäcke verschwinden wieder im Bus. Mal wieder als Schlusslicht - ich könnte ja mein Paddel im Rasen vergessen haben - also schnell noch mal alles abgesucht, starte ich von der Rampe.
An der Hafenausfahrt warten alle auf mich. Mit dabei sind meine Freundin Gisela, Barbara Fink und Matthias Panknin. Gisela driftet im Wind und hat anfangs Probleme das Boot auf Kurs zu halten. So ein Fuego hat eben doch eine zu große Angriffsfläche. Sollte das schon das Ende unserer Tour sein? Dann dreht sie aber doch noch das Heck ihres Bootes in den Wind - sie hatte wirklich auf mich gewartet - und sehr schnell schieben uns Wind und Wellen durch den Sund.
Matthias gelingt es hin und wieder mal lange zu surfen. Ich versuche es auch, aber die Wellen sind einfach nicht steil genug für mein Boot. Strömt es zu stark oder hält der Wind die Wellen flach? Auch mit sehr viel Kraft kommt bei mir kein Glücksgefühl auf und so verzichte ich erst mal auf die Surferei. Überlasse Wind und Wellen den Vortrieb und betrachte lieber das linksseitige Ufer. Die Küste wird steiler und mit Madsees Klint erreichen wir die erste kleine Steilküste. Leider lässt damit der Wind auch scheinbar etwas nach, da wir vorübergehend unter Landabdeckung paddeln. In der Hjelm Bugt stehen viele lange Stellnetze. Entweder man fährt stark unter Land oder weit draußen im Wind. Nachdem ich mich an den weißlich schimmernden Buchenstämmen satt gesehen hatte - sie sehen auf Møn besonders sauber aus und gibt es nur hier auf der Insel - zieht es mich, um die Strecke etwas abzukürzen, hinaus in die Bucht. Leider muss ich wegen der langen Stellnetze ziemlich weit hinaus und stelle so nach und nach fest, dass die anderen drei unter Land viel schneller voran kommen als ich entlang der Netze.
Ein übler Geruch zwischen einem der Stellnetze erregt meine Aufmerksamkeit. Es ist ein ziemlich großer aufgedunsener Körper, der da im Geviert der Reuse treibt. Bei dem Starkwind zwischen den Netzen ist es nicht leicht, dem Gestank auszuweichend und sich dem Körper seitlich zu nähern. Schließlich bestätigt sich mein Verdacht. Es ist ein ausgewachsener Schweinswal, vermutlich von den Fischen in der Reuse angelockt, der hier verendete.
Von jetzt an finde ich die Netze nicht mehr fotogen und versuche zur Gruppe aufzuschließen. Die sind leider nicht mehr genau auszumachen und ich sehe fast nur noch die auf und ab hüpfenden Bälle der moderneren Stellnetzketten. Schließlich sehe ich direkt unter Land die Boote - fast schon außer Sicht - und schließe wieder zu ihnen auf.

Die tief stehende Sonne erinnert uns daran, endlich eine Kaffeepause einzulegen. Auf einer Felsplatte machen wir es uns bequem und genießen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen, wie Eidechsen auf einer Borkenrinde.
Wir nähern uns Klintholm Havn. Hier endeten oft mehr oder weniger glücklich in der Vergangenheit die Fluchtversuche der DDR- Bürger. In einem Buch werden diese Querungen über die Ostsee, auf dem Surfbrett, im U-Boot Marke Eigenbau, oder auch nur mit Neo-Anzug und Flossen an den Füßen, eindrucksvoll beschrieben. Für Matthias ein Anreiz hier vor Klintholm zu paddeln, zu verstehen was in dem Buch beschrieben wurde und um die Leistungen noch besser würdigen zu können. Versprochen hatte er uns jeden Abend eine Fluchtbeschreibung aus diesem Buch vorzulesen, oft strapazierten wir seine Stimmbänder, denn es blieb nicht nur bei einer Geschichte - besonders dann nicht, wenn sie glücklich endeten.
Anm. von Matthias, der Korrektur gelesen hat: Das Buch heißt ?Über die Ostsee in die Freiheit? und ist im Delius Klasing Verlag erschienen. Es ist sehr lesenswert, findet auch Barbara.
Hier vor Klintholm gelingt mir dann doch noch der eine oder andere Surf. Wind und Wellen, nicht mehr durch die Landabdeckung geschwächt, treiben uns gegen die Küste. Leider geraten wir bald wieder in die Landabdeckung, und vorbei ist es mit der Surferei. Das ist auch gut so, denn ab jetzt, nur einige Kilometer vor Møn- Fyr, müssen wir uns um einen Biwakplatz kümmern. Wegen der für Freitag geltenden Starkwind/Sturmwarnung wollen Barbara und Matthias noch weiter in den Windschatten von Møns Klint, und so verwerfen wir hochmütig den einen oder anderen Übernachtungsplatz, bis wir etwas überrascht feststellen, schon querab von Møn-Fyr zu paddeln. Hier vor Møn-Fyr stehen einige Sommerhäuser fast am Wasser und es liegen auch Sportboote am Strand. Also kehren wir um und finden dann doch einen annehmbaren Platz auf einer Steinschüttung direkt am Wasser. Später, beim Schein einer Stirnlampe liest uns Matthias aus seinem Buch vor. Nur so viel zu diesem Buch - egal ob einige finden, es wäre zu reißerisch aufgemacht oder würde zu sehr die Tränendrüsen anregen, kann ich es immer noch nicht fassen, was für ein menschenverachtendes System der Bespitzelung nebst Folgen es war, das die Bürger über die Ostsee, außer Landes trieb.

Als wir uns dann später in unsere Schlafsäcke verkriechen, kann Matthias es nicht lassen hinüber zum Møn-Fyr zu laufen. Das bei völliger Dunkelheit; durch einen Wald, den wir nicht kennen, um von dort oben das Leuchtfeuer von Arkona zu suchen. Weil er sich im Wald die Knochen brechen könnte, bitte ich ihn sich zu melden, sobald er von seiner nächtlichen Tour wieder zurück ist. Meine eigene Reiselektüre beginnt mich gerade zu fesseln, als ich Schritte im Kies höre. Matthias ist wieder zurück. Er war ca. 5 km gelaufen und konnte 2 Leuchtfeuer sehen: Kap Arkona und Dornbusch auf Hiddensee. Wo ich doch schon fürchtete, er hätte die Fürsten der acht Hünengräber verärgert, als er in nächtlicher Stunde an ihnen vorbei trabte. Nun ja, meine Phantasie entsprang der Reiselektüre.
Schnitt: Was dann kommt müsst Ihr in SK 105 weiterlesen
Trangia-Küche & so:
zum Ersten von Antje Ferdinand-Staude und ...
Unser gutes deutsches Brot. Was es wert ist, weiß ich immer dann, wenn ich im Urlaub vor dem Brotregal eines Supermarktes oder Tante-Emma-Ladens stehe und das angebotene Brot auf Druck sein Volumen auf ca. 1/5 reduziert (so genanntes Ziehharmonikabrot). Das ist dann zwar sehr packfreundlich, entspricht aber weder meinem Wunsch nach Sättigung noch meinem Geschmack.
Eine Alternative ist dann sicherlich das Eindecken mit Dosenbrot oder entsprechenden Paketen, nur das Volumen, selbst das eines Faltbootes hat halt so seine Grenzen.
Was tun? Die erste erprobte Lösung: Mehl mitnehmen, oder wenn möglich unterwegs kaufen, für Banuk a la Elmar Engel. Das ist in Paddlerkreisen sicher wohlbekannt. Gebacken wird mit Backpulver, an sich eine einfache Sache. Nur was mache ich, wenn dem Sohn davon übel wird?
Die Not macht erfinderisch. Es gibt ja schließlich auch noch Hefe. Ein bisschen zeitaufwendiger ist die Teigzubereitung schon, die wahre Herausforderung kommt aber erst mit dem Backen. Braten wie Banuk klappt nicht wirklich, also muss ein Backofen her. Da lob ich mir den Hordentopf (5l Tatonka) und - wir sind in Queen-Charlotte unterwegs - das Lagerfeuer. Der Hordentopf wird kurzerhand zum Backofen erklärt, als Backblech dient ein Trangiatopfdeckel, als Abstandhalter fungieren Steine. Ein wenig Wasser kommt mit in den Topf, damit die Brötchen schön braun und kross werden. Kaum zu glauben, die Dinger sind essbar.
Experimentierfreudig wie ich bin, wage ich mich auch an größere Dinge: Brot.
Die Teigkonsistenz so hinzubekommen, dass die lebende Masse nicht versucht über den Backblechrand zu kriechen, mag versierten Bäckern möglich sein, ich habe dafür kein Talent. Aber wir sind topp ausgerüstet, Trangiatöpfe eignen sich auch als Backformen. Der derzeitige Sachstand sieht folgendermaßen aus:
Der Teig wird aus ca. 500g Mehl, einem Päckchen Trockenhefe = ca. 5g, etwas Zucker als Starthilfe (1/2-1 Teelöffel), Salz oder einem Anteil salzigem Meerwasser (Pazifikwasser zur Hälfte, Aalandwasser pur) und lauwarmem Wasser (Menge nach Gefühl, ca. 250 ml) zu einer knetbaren Masse zusammengefügt. Ob mit Werkzeug oder Händen, variiert je nach Laune, ebenfalls die Mehlsorte(n). In einem Topf bekommt derselbe dann ein warmes Plätzchen und darf so ungefähr auf das doppelte Volumen wachsen. Sollte das warme Plätzchen der Schlafsack sein, was in nördlichen Breiten meistens der Fall ist, muss der Topf nen Deckel kriegen, sonst macht das Schlafen u.U. nicht mehr so viel Freude. Der Zeitbedarf für diesen Wachstumsprozess ist ca. bis eine Stunde. Sodann wird die Masse noch mal so richtig durchgewalkt, zu einer Kugel geformt, in die vorher geölte und bemehlte Backform verfrachtet.
Dort darf sie warmgestellt noch mal aufs Doppelte wachsen und dann endlich in den Ofen. Da mir der Outdoor-Thermostat noch nicht über den gelaufen ist, muss ich immer mal wieder prüfen (d.h. auf?s Brot klopfen ob´s hohl klingt oder mit einem zahnstocherähnlichen Hölzchen prüfen, ob noch Teig dran kleben bleibt), wann es gut ist. Eine Stunde auf der Glut muss man schon einkalkulieren, aber der genaue Zeitpunkt ist von vielen Faktoren abhängig. Ab und zu gelingt es mir, den schon formstabilen Laib auf?s Backblech umzukippen, dann geht es etwas schneller.
Wie du siehst, so nebenbei mal kurz klappt dieses Gebacke nicht, das ist eher was für Pausentage. Geschmeckt hat es aber bislang immer, und mir Spaß gemacht auch.
Standardisiert ist diese Methode noch nicht. Daher bin ich für jede Anregung (bitte für alle im Seekajak) dankbar. Matze hat da so eine Methode...
... zum Zweiten von Matze Schneider
Meine Methode ist eine Abwandlung des Backkits der Firma MSR. Diese haben ein Thermometer entwickelt, mit dem man die Backtemperatur sehr genau regeln kann. Der Trick besteht darin, das Thermometer durch eine
gezielte Zufuhr von Energie zu ersetzen.
Man baue die Brenner aus dem Trangia aus und setze auf die gelochte Platte sechs bis acht Teelichter. Der Teig wird in den großen Trangiatopf gelegt und mit der Pfanne abgedeckt. Dort backt er 1 bis 1,5 Stunden an einem windstillen Ort.
Zu den Details:
Ich benutze eine 0,4 l Tasse. Von diesen kommen zwei Tassen Mehl, eine dreiviertel Tasse Meerwasser (alternativ 1 TL Salz und Süßwasser), Hefe für ein Kilo Mehl, ein Schluck Öl und Kräuter nach Lust und Laune in eine Schüssel und werden zu einem geschmeidigen Teig verknetet. Danach lasse ich den Teig eine Stunde gehen und schlage ihn anschließend nieder. Bevor der Teig in den Topf gelegt wird, muß der Topf sehr sorgfältig gefettet und mit Mehl ausgestäubt sein. Jetzt wird der Teig mit einer Vertiefung in der Mitte in den großen Topf gelegt, mit reichlich Mehl bestäubt und mit der Pfanne (Rand nach unten) abgedeckt. Der Topf wird nun in den Trangia gesetzt, in dem die Kerzen bereits brennen. Und nach 1 bis 1,5 Stunden hat man ein leckeres Brot!
Kuchen lässt sich hervorragend mit Eierkuchenmehl, Milchpulver, Süßwasser und Butter zubereiten. Benutzt man einen Teflonbeschichteten Trangiatopf, kann man sich das Einfetten und Einstäuben sparen. Außerdem spart man das Auswaschen eines Topfes, da man den Teig im Zubereitungstopf backen kann.
Viel Spaß beim Experimentieren und genießen!
Matze
P. S. Es kann auch Trockensauerteig verarbeitet werden.

