SEEKAJAK
SEEKAJAK 120

Inhaltsverzeichnis

Vorstand  

Vorwort

4

Jahresabschluß        

5

B/C Kreis 

 

Bericht     

6

Vorstellung der Mitglieder des B/C Kreises

7

SKW 2010

Organisation

8

Wochenplan

10

Ausbildung

Wet Wet Wet

12

Leserbriefe

Diverse

13

25 Jahre SaU

61

SaU-menschlich

Tanja und Nils

21

Nachrichten

NfS

21

Literatur

Buchbesprechungen Navigations-Bücher

22

Sea Kayaker Oktober 09

24

Rezension Weltnaturerbe Wattenmeer

26

Buchtipp Hoher Weg

27

Reise / Touren

Australien Umrundung

28

Memminger Eisfahrt

32

Alaska Teil 2 von 2

36

Bolmenfisch Märchen

37

Grünland

46

Main-Donau-Kanal

52

Israel

54

SKW 2009

Nordsee in 3 Akten

30

Flaschenpost

Rückblick auf Spiekeroog

35

Impressum

56

Technik

Steuern nach GPS

58

Veranstaltungen

Fahrtenangebote

62

Ausschreibungen /Veranstaltungskalender        

63

Seekajakhandbuch

Änderungen zum Herausnehmen

Heftmitte

Warmbaden und -paddeln Ende November 2009 – in Israel

Text: Enno

„Hättest Du Lust, mit uns morgen mit dem Seekayak rauszufahren?“

Diese Frage wird dem Leser dieses Magazins nicht absonderlich erscheinen. Mich traf sie jedoch völlig unvorbereitet, so als hätte mich inmitten der Dünen von Spiekeroog jemand zu einem Kamelritt aufgefordert.

Es war an einem der letzten Novembertage des Jahres 2009. Nein, es war nicht trübe, kalt und trostlos, sondern mit 20 Grad angenehm warm, ein milder Wind umhüllte mich, die Sonne wärmte mild und frühlingshaft. Mit meinem Fahrrad drehte meine erste Orientierungsrunde durch Tel Aviv, stand am Kai des Hafens von Jaffa und rieb mir die Augen. Ich war am Anfang meiner Radtour durch Israel und hätte mit allem gerechnet, nicht aber mit diesem Schild:

„Wie jetzt...“ war sinngemäß auf englisch meine Antwort. Ich sprach mit einem Herrn wohl um die oder eben über die 40, gebräuntes Gesicht und Kopfhaut (die allenthalben in Israel anzutreffende Antwort auf die Alopecia androgenetica ist der Rasierapparat), der auf den Namen Rony hörte und Chef des ganzen war. In der Tat stand ich vor einem Seekayak-Club

Wir sprachen über das, was ich vorhatte: Einmal rauf und runter durch Israel mit dem Fahrrad, soweit denn möglich, durch die Westbank nach Jerusalem und ab durch die Wüste zum Roten Meer (dazu möglicherweise demnächst an anderer Stelle mehr), ein Unterfangen, das für Israelis aus Gründen, die ich noch „erfahren“ sollte, einigermaßen exotisch wie gefährlich anmuten musste – wenn auch nicht ohne sportlichen Reiz.

Seekayak? Er würde mit einigen Leuten aus dem Club am nächsten Morgen um sieben Uhr eine Runde drehen, die Bucht von Tel Aviv rauf und runter, ob ich nicht Lust hätte mitzukommen. Tja, warum eigentlich nicht?

Der Winter in Tel Aviv ist mild. Es regnet und stürmt wohl mal, meist scheint aber eine milde Sonne und erwärmt die Luft auf 20° C, eine Temperatur, die in etwa der Minimaltemperatur des Mittelmeeres in dieser Gegend entspricht. Sollte die Nordsee mal auf diesen angenehmen Wert kommen, denkt man gleich mit schlechtem Gewissen an die bevorstehende Klimakatastrophe. Nachts wird es dafür durchaus frisch, Spagettiträgerhemdchen sind bei 10 bis 12 ° C nicht mehr angesagt. Die Sonne geht schon um 6.30 Uhr auf und leider schon um 4.30 Uhr unter. Das sollte sich noch noch als arg limitierender Faktor herausstellen, denn das Leben scheint in Israel deswegen nicht unbedingt früher loszugehen. Aber der frühe Vogel...

...steht mit dem ersten Licht auf und findet sich mit einem Notfrühstück bewaffnet am Kai von Jaffa um sieben Uhr ein. Alles weitere wurde mir zur Verfügung gestellt: Schwimmweste, geeignete Klamotten etc. und natürlich ein Boot (PE) und Paddel. Mit einem etwas abenteuerlichen Bootswagen bewegten wir die Boote über eine Dauerbaustelle zu einer ebenso abenteuerlichen, aber praktischen Einsatzstelle und bestaunten die Skyline von Tel Aviv und den unvergleichlichen Anblick von Jaffa im Gegenlicht der Morgensonne.

Mir wurde bald warm, denn unsere Gruppe legte ohne saumäßige Aufwärmübungen einen beachtlichen Kaltstart hin: Mit einem sportlichen Tempo steuerten wir Richtung Norden bis in die Höhe des Kohlekraftwerkes, entlang diverser Strände und großer Hotelanlagen. Ich war Zeuge und Teilnehmer einer kleinen Trainingseinheit, die diese Herren mal so eben vor dem Büro (oder welche Fron auch immer dem Lebensunterhalt dient) absolvieren. In der Vergangenheit, so erfuhr ich, gab es schon große Herausforderungen, so den Yukon River Quest 2008 (vergl. z.B. www.yukonriverquest.com oder clubs.rfu.com/Clubs/portals/wandsworthians/YukonRiverChallenge2007.aspx). Immerhin ein richtiger Fluss, sagte man mir, der Jordan komme doch eher als Rinnsal daher. Vor Ort ist der Aktionsradius begrenzt: Die Küstenlinie vom Libanon bis zum Gazastreifen ist etwa 170 km lang, darüber hinaus  zu fahren ist so lebensgefährlich wie verboten. Ein beliebtes Ausweichziel ist Kroatien, dorthin bestehen freundschaftliche Beziehungen.

Neben der eigenen Küste wird noch der See Genezareth befahren sowie das Tote Meer. Letzteres „fühlt“ sich, so wurde mir erklärt, nicht anders an, statt mit Eis wie bei uns im Winter ist das Boot nur alsbald mit Salzkristallen bedeckt.

Mit 33 % Salzgehalt ist das Wasser des Toten Meeres eine übergesättigte Lösung, die sich an den Schleimhäuten oder Wunden äußerst unangenehm anfühlt. Es empfiehlt sich also weder ein akzidentelles Kentern noch ein solches zu Übungszwecken. Genießen lässt sich dafür eine herbe Wüsten- und Berglandschaft mit Salzformationen am Ufer und beiderseits des Jordangrabens als Teil des Großen Afrikanischen Grabens weit über 1200 m aufragende Bergketten. Und das Gefühl, sich gut über 400 m unter dem Meeresspiegel zu befinden.

Am nördlichen Ende der Bucht von Tel Aviv angelangt, kamen uns aus der Mündung des (kleinen) Yarqon-Flusses weitere Seekayaks entgegen, hier befinden sich weitere Clubs (z.B. www.optimistkayaking.com). Wir drehten um und paddelten nahe der zu dieser Jahreszeit menschenleeren Strände zurück. Im Sommer ist hier Distanz angesagt. Ich nutzte die Gelegenheit zur Kontemplation der Skyline von Tel Aviv nebst der dazugehörigen Geräuschkulisse, nicht unbedingt der Stoff, aus dem meine Urlaubsträume sind. Die israelische Möve unterscheidet sich dafür nicht merklich von ihren hiesigen Artgenossen...

Nach dem Entsorgen der Boote und einer warmen Dusche (hach!, kann das Leben Ende November angenehm sein...) genossen wir ein typisch israelisches Frühstück in der Vormittagssonne – Pita, Humus, Salat - und das Leben im Allgemeinen. Bis sich der eine oder andere widerwillig zur werktäglichen Fron begab und ich mich wenig später auf mein Fahrrad schwang – was sich in mancherlei Hinsicht auch als selbstgewählte Fron erwies.

In Erinnerung bleibt jedenfalls die netteste und überraschendste Begegnung dieser 3-wöchigen Reise und die Erkenntnis, dass der Seekayakvirus auch vor dieser Gegend der Welt nicht halt macht. In Erinnerung bleibt jedenfalls die netteste und überraschendste Begegnung dieser 3-wöchigen Reise und die Erkenntnis, dass der Seekayakvirus auch vor dieser Gegend der Welt nicht halt macht.

Wer also im Winter auf Trockenanzug, Neohaube und Paddelpfötchen, nicht aber auf das Seekayak verzichten kann und das mit einer Reise in eines der interessanten und widersprüchlichsten Länder der Welt verbinden möchte, ist hier genau richtig und erfährt über Rony alles, was er oder sie wissen muss: www.kayak4all.com, Telefonnummer mit Vorwahl Israel 00972-(0)54-7757076 (siehe oben).

Massenhaft Fotos, ein Hoch auf das Netz: picasaweb.google.co.uk/kayak4all